Warum Authentizität wichtiger ist als Perfektion

Content Creator vs. Influencer: Ein Leitfaden für Hoteliers

Wie erreichen Hotels heute ihre Gäste wirklich – und welche Rolle spielen dabei Influencer und Content Creator? In diesem Interview geben Laura Austermann und Francesco Alfredo Seßler von ARTIS Advertising praxisnahe Einblicke und konkrete Tipps aus ihrer täglichen Arbeit.

 

Was ist der zentrale Unterschied zwischen einem Influencer und einem Content Creator?

ARTIS ADVERTISING Der Fokus eines Influencers liegt immer auf seiner eigenen Reichweite. Er ist eine eigene Personenmarke und fungiert als Multiplikator – also als Sender, der Inhalte an seine Community ausspielt. Ein Influencer kann zwar auch Content Creator sein, aber ein Content Creator ist nicht automatisch ein Influencer.

​Ein Content Creator produziert Inhalte im Auftrag des Hotels. Hier stehen die Qualität und das Ergebnis im Vordergrund. Er fungiert als externer Produzent für Reels, Fotos oder TikTok-Videos. Er fängt das Hotel in einem ästhetischen Stil ein, teils mit sich selbst im Bild, teils rein auf die Kulisse fokussiert.

 

In welcher Situation sollte ich mich als Hotel für einen Influencer entscheiden und in welcher für einen Content Creator?

ARTIS ADVERTISING Das sind zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen. Ein Influencer bringt seine eigene Reichweite und Follower mit. Man bucht ihn für einen „Kampagnen-Push“, um neue Zielgruppen zu erschließen und Aufmerksamkeit zu generieren.

​Ein Content Creator ist die richtige Wahl, wenn das Hotel schlichtweg hochwertiges Material – also Videos und Fotos – für die eigenen Kanäle wie Instagram, TikTok, LinkedIn oder die Website benötigt.

 

Welche Ziele lassen sich realistisch mit beiden erreichen? Gibt es Erwartungen, die Ihr nicht erfüllen könnt?

ARTIS ADVERTISING Ein Creator liefert das Rohmaterial und Ready-to-Post Content. Wenn das Hotel danach nichts mit dem Content macht, verpufft der Effekt. Früher kam einmal im Jahr der Hotelfotograf für die Zeitungsanzeige – wir sind sozusagen die modernen Fotografen und Videografen in einem, die das Geschehen authentisch für Social Media einfangen. Das Ziel sind hier einfach tolle Materialien für die eigenen Kanäle.

​Mit Influencern kauft man Reichweite ein. Die Erwartung, einen Influencer zu buchen und sofort massenhaft Direktbuchungen zu generieren, ist jedoch unrealistisch. Influencer-Marketing braucht Budget und Zeit. Realistisch sind Ziele wie Markenbekanntheit (Awareness) und Reichweite. Wir empfehlen immer, erst einmal kleinere Kooperationen zu testen, um zu sehen, wer überhaupt zum Hotel passt.

 

Wie finden Hoteliers heraus, wer stilistisch und menschlich zur eigenen Marke oder zum eigenen Hotel passt? Welche Fragen sollte man sich vorher stellen?

ARTIS ADVERTISING Beim Content Creator geht es primär um den visuellen Stil. Passt die Ästhetik der Videos und Fotos zum eigenen Social-Media-Feed? Wenn der Creator auch vor der Kamera agiert (User Generated Content), muss das natürlich zum Hotel passen. Wer zum Beispiel ein Drei-Sterne-Haus führt, für den ist ein Creator mit Chanel-Handtasche vielleicht unauthentisch. Vor der Buchung sollte man sich bisheriges Material zeigen lassen und auch auf die Stimme achten, falls Videos eingesprochen werden. Hochdeutsch ist meistens die sicherste Wahl, es sei denn, es ist eine rein regionale Kampagne geplant.

​Beim Influencer ist die Auswahl komplexer. Hier zählen diese Faktoren: Welche Werte und welche Haltung vertritt die Person? Wenn jemand beispielsweise durch Trash-TV bekannt ist und am Tag vor der Hotelkooperation ein negatives Interview in der Presse gibt, färbt das auf das Hotel ab. Der Content Creator postet in der Regel nicht auf seinem eigenen Account, da ist das Image zweitrangig. Beim Influencer hingegen muss die Identität absolut zum Hotel oder zur Marke passen.

Und die Zielgruppe des Influencers muss natürlich auch stimmen?

ARTIS ADVERTISING Absolut. Neben den Soft Faktoren sind vor der Buchung knallharte Fakten zu prüfen: Wie hoch sind die Reichweiten und Story-Views wirklich? Woher kommt die Zielgruppe? Wenn zum Beispiel ein deutscher Influencer primär Follower aus den USA oder Indien hat, nützt das einem lokalen Hotel vermutlich wenig. Auch das Alter und das Verhalten der Zielgruppe müssen im Vorfeld genau analysiert werden.

Wie wichtig ist die Follower-Anzahl im Vergleich zu Tonalität und Stil?

ARTIS ADVERTISING Die reine Follower-Anzahl ist mittlerweile zweitrangig. Viel wichtiger sind die Aufrufzahlen (Views) und die Engagement-Rate – also wie viele Leute tatsächlich mit dem Content interagieren, indem sie ihn liken, kommentieren oder teilen. Es gibt Accounts mit wenigen Followern, die aber durch witzigen oder informativen Content riesige Reichweiten erzielen. Wenn die Leute nicht mit dem Inhalt interagieren, verpufft die Wirkung.

 

Wie lässt sich der Wert von Content messen? Worauf sollte man abseits von Buchungszahlen schauen?

ARTIS ADVERTISING Bei einer Influencer-Kooperation vereinbart man im Vorfeld ein Reporting. Nach der Kampagne erhält das Hotel Kennzahlen: Aufrufe, Likes, Kommentare, Shares (Weiterleitungen) und Saves (Speicherungen). Besonders das Speichern eines Reels ist wertvoll: Vielleicht bucht der User nicht sofort, merkt sich das Hotel aber für eine Reise in wenigen Monaten. ​Zudem ist die Click-Through-Rate wichtig – also wie viele Nutzer auf den Buchungslink klicken. Hier muss man aber fair bleiben: Wenn die Buchungsstrecke des Hotels kompliziert ist oder beworbene Angebote auf der Website fehlen, bricht der Gast ab. Dafür kann der Influencer dann nichts.​Bei Content Creator misst man den Erfolg am besten im Vorher-Nachher-Vergleich: Wie performt das neue Video im Vergleich zu den alten, reinen Fotoposts des Hotels?

Wichtiger Praxistipp: Lassen Sie sich Inhalte von Influencern vor der Veröffentlichung immer zur Freigabe schicken. Nichts ist ärgerlicher für einen Hoteldirektor, als wenn im fertigen Video das Bett nicht ordentlich gemacht ist.

 

Was macht Hotel-Content glaubwürdig und was wirkt wie reine Werbung?

ARTIS ADVERTISING Der Trend geht ganz klar weg vom Perfektionismus hin zur Realität. Gerade die Generation Z sucht das Echte, den Blick hinter die Kulissen, nahbare Mitarbeiter und echte Emotionen. Für Hoteliers bedeutet das: Bitte das Zimmer für die Produktion nicht extra mit Blumen stylen, die der normale Gast später auch nicht vorfindet. Wir möchten als Content Creator genau wie ganz normale Gäste behandelt werden. Kein extra eingedeckter Tisch, kein Spezialmenü. Wir wollen das filmen, was der echte Gast auch bekommt. Dieses „Staging“ für Hochglanzprospekte funktioniert auf Social Media nicht mehr. Weniger gestellt, mehr echt – das ist das Geheimnis.

 

Welche Social-Media-Trends verändern den Social Media Auftritt von Hotels aktuell am meisten?

ARTIS ADVERTISING Zum einen der Fokus auf Smartphone-Aufnahmen statt High-End-Produktionen wie Luftaufnahmen mit Drohnen. Die Leute wollen sehen, wie es wirklich aussieht. Zum anderen die extreme Schnelllebigkeit. Man muss aber nicht jeden TikTok-Trend mitmachen – tief durchatmen und dann zwei, drei passende Dinge auswählen reicht völlig. ​Ein fundamentaler Shift ist die Erwartungshaltung an die Aktualität. Die jüngere Generation nutzt Instagram oder TikTok wie eine Suchmaschine und schaut oft gar nicht mehr auf die klassische Website. Sie erwarten dort aktuelle Infos: Wenn es heute ein neues Menü gibt, wollen sie das in der Story sehen. Der Instagram-Account ist heute das digitale Schaufenster des Hotels. Wer dort nur Beiträge von vor drei Jahren zeigt, verliert potenzielle Gäste.

 

Wenn ein Hotelier Content Creator wie Euch engagieren möchte – was sind die Basics, die er mitbringen muss?

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  1. Das Prinzip verstehen: Ein Content Creator liefert Material für die Kanäle des Hotels, er bringt keine eigene Reichweite mit.
  2. Die Kanäle vorbereiten: Ein Instagram- oder TikTok-Account muss existieren oder kurz vor dem Start stehen, sonst verpufft das Material.
  3. Schwerpunkte definieren: Das Hotel muss wissen, was es zeigen will (z. B. Fokus auf das Restaurant, den Spa-Bereich oder spezielle Pauschalangebote).

​Vor Ort brauchen wir übrigens keinen „Babysitter“. Wenn im Vorfeld klar definiert ist, worauf zu achten ist (z. B. den Spa-Bereich zu filmen, wenn keine Gäste da sind), arbeiten Content Creator am besten autark.